Die Schriftstellerin und Journalistin Dörte Hansen ist seit März 2022 die 37. Stadtschreiberin zu Mainz. Der Preis wird vergeben von der Stadt Mainz sowie den Sendern ZDF und 3sat.
Am 13.01.2023 war Dörte Hansen zu Gast bei der Buchhandlung Buch, Laden Ruthmann, die die Veranstaltung wegen der großen Nachfrage in den Kirchenraum der Evangelischen Kirchengemeinde Mainz-Hechtsheim verlegte.
Die Journalistin und ZDF-Nachrichtenmoderatorin Barbara Hahlweg moderierte die sehr gelungene Veranstaltung, bestens vorbereitet, unaufdringlich, locker und mit klugen Fragen.
Dörte Hansen berichtete über ihre Aufenthalte in Mainz, über ihr Schreiben und über den „comic relief“ in ihren Büchern, dem Stilmittel der Entlastung schwerer Texte durch Komik. Unterbrochen wurden das Gespräch für drei längere Lesepassagen aus Zur See.
Danke an Dörte Hansen, Barbara Hahlweg und Buch, Laden Ruthmann für eine sehr gelungene, heftig beklatschte Veranstaltung!
Der Perlentaucher oder Selbstporträt mit Altpapiercontainer
Containern oder Mülltauchen (engl. dumpster diving, daher auch Dumpstern) bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Waren (meistens Lebensmittel) aus Abfallcontainern. (aus: Wikipedia)
Von ganz anderen Schätzen aus Mülltonnen erzählt der 1968 in Bregenz geborene Arno Geiger in Das glückliche Geheimnis, einem autobiografischen Werk, auch wenn er einschränkt:
Mir ist klar, ein Buch über mich selbst, das ist schwierig, schwieriger als ein Roman. […] Das Erzählte ist nie wahr. (S. 194/195)
Ein Vierteljahrhundert lang, von seiner Studentenzeit in den 1990er-Jahren bis ungefähr zu seinem 50. Geburtstag, drehte Arno Geiger in Wien regelmäßig seine „Runden“, tauchte in Räuberkleidung in Altpapiertonnen, holte sich Schrammen, blaue Flecken, gebrochene Rippen, Bänder- und Muskelverletzungen. Was mit dem Zufallsfund von fünf Bananenkartons voller Bücher begann, sicherte zunächst dem Studenten, später dem zunächst erfolglosen Autor auf Flohmärkten oder bisweilen im Auktionshaus ein Auskommen, befriedigte seine Abenteuerlust, bot einen körperlichen Ausgleich an der frischen Luft zur sitzenden Tätigkeit am Schreibtisch, half beim Frustabbau und wurde in Form von Tagebuch-, Brief- und anderen persönlichen Funden zur unerschöpflichen Quelle für seine Schriftstellerei. Das Individuelle, Zufällige, Authentische in Briefen und Alltagstexten, der unzensierte Sprachgebrauch und Erfahrungen außerhalb seiner Lebenswelt schärften seine Menschenkenntnis und sein Einfühlungsvermögen, für das ihn der Literaturkritiker Denis Scheck ein „Empathiemonster“ nannte. Mit den geretteten Büchern, Briefmarkensammlungen, lithografierten Postkarten, Druckgrafiken, Plakaten, alten Comics, historischen Wertpapieren und anderem ausrangierten Papiergut verband ihn „so etwas wie Zärtlichkeit“ (S. 96), eine Zuneigung, die wohl jeder Papierfan problemlos nachempfinden kann.
Rückschläge und Erfolge
Doch Das glückliche Geheimnis ist mehr als die Enthüllung einer überaus sympathischen Leidenschaft, die erst jetzt ans Licht kommt, wo sie aufgegeben ist, und für die er, das Mittelstandskind, sich anfangs als einer „Grenzüberschreitung nach unten“ (S. 20) schämte. Parallel erzählt Arno Geiger vom mühsamen Werden eines Schriftstellers, von Talent, Training, Sturheit, Fleiß und Frustrationstoleranz, von Konflikten mit dem Hanser Verlag, der nach ersten finanziellen Misserfolgen auf Abstand ging, von seinem treuen Lektor, von Stipendien, vom Durchbruch 2005 mit Es geht uns gut, für das er den erstmals verliehenen Deutschen Buchpreises erhielt, vom darauf folgenden Burnout, von Bestsellern wie beispielsweise 2011 Der alte König in seinem Exil und zuletzt 2018 Unter der Drachenwand, von der Demenzerkrankung seines Vaters, dem Schlaganfall der Mutter und weiteren Tragödien im Familien- und Freundeskreis, von seiner Liebe zu seiner Frau K., aber auch – und nur das für mich zu ehrlich und detailliert – von seinem lange chaotischen Beziehungsleben.
Weiterschreiben! Im letzten Teil des Buches geht Arno Geiger dann über das Private hinaus, sinniert über die Bedeutung des Mülls für die Kulturwissenschaften, über Sammeln und Wegwerfen als Kulturtechnik, die sich verändernde Zusammensetzung des Papiermülls, alles in glasklar formulierten, gut nachvollziehbaren Gedankengängen, denen ich sehr gerne gefolgt bin:
Das ist es, worum es mir in der Literatur geht: das Leben sichtbar und dadurch verständlicher machen. (S. 97)
Immer hatte ich dabei auch meine eigene Papiertonne vor Augen und versuchte, sie mit seinem kritischen Blick zu durchwühlen.
Eine Überlegung allerdings wird für Arno Geiger hoffentlich noch lange nicht aktuell:
Wie mache ich das, mit der Kunst zu enden? (S. 217)
Wer so rundum gelungen, unterhaltsam, anregend, reflektiert, liebenswert, erfrischend offenherzig und selbstironisch zu schreiben versteht, bleibt dem Buchmarkt hoffentlich noch sehr lange erhalten.
1968 gewann Yambo Ouologuem(1940 – 2017) aus Mali den Prix Renaudot für seinen Debütroman Le Devoir de violence und verschwand nach Plagiatsvorwürfen von der Bildfläche. Dieses Ereignis lieferte dem 1990 im Senegal geborenen Mohamed Mbougar Sarr die Anregung für seinen 2021 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten vierten Roman Die geheimste Erinnerung der Menschen.
Ein Kultbuch aus dem Nichts
Elimane Madag Diouf, ein 1935 geborener Senegalese, kommt 1935 zum Studium nach Frankreich. 1938 veröffentlicht er unter dem Namen T.C. ElimaneDas Labyrinth des Unmenschlichen, ein Kultbuch, das jedoch sowohl in den positiven als auch den negativen Pressestimmen auf die Herkunft und Hautfarbe des Autors reduziert wird. Als ein rassistischer Afrika-Ethnologe zudem Lügen verbreitet und ein Kritiker Plagiatsvorwürfe erhebt, verschwindet das Buch komplett vom Markt, der Verlag geht Pleite, Elimane verstummt und wird zur Legende.
Suche nach einem Fantom
2018 spielt der Zufall in Paris ein verbliebenes Exemplar in die Hände eines weiteren literarisch ambitionierten Senegalesen: Diégane Latyr Faye. Von nun an ist er von der Idee besessen, Elimanes weiteren Lebensweg zu rekonstruieren und das Rätsel um sein Schweigen zu lösen. Beharrlich sammelt er Puzzlesteine, zunächst im Pressearchiv, dann hauptsächlich mit Hilfe von Frauen aus Elimanes Umfeld: seiner Verwandten und ebenfalls senegalesischen Schriftstellerin Marème Siga D., seiner ehemaligen Verlegerin ThérèseJacob, der Journalistin Brigitte Bollème und einer namenlosen haitianischen Dichterin.
Keine Nebenbei-Lektüre Mohamed Mbougar Sarr macht es seinem Publikum nicht leicht und verlangt durch die sprunghaften Erzählerwechsel, verschiedene Zeitebenen und Wechsel zwischen Kontinenten ein Höchstmaß an Konzentration. Im ersten Viertel des Romans hätte ich fast aufgegeben, so unübersichtlich schien mir die Polyphonie, so extravagant die Fremdwörter, deren Sinn sich mir manchmal nicht einmal beim Nachschlagen erschloss. Doch Durchhaltevermögen wird hier belohnt und das scheinbare Durcheinander zunehmend beherrschbarer. Die Identifikation der Stimmen und die Vielzahl der Nebenhandlungen und Einzelgeschichten machten mir zunehmend Spaß und die Tatsache, dass man kaum etwas über Das Labyrinth des Unmenschlichen erfährt, stattdessen nur über die ungeheure Wirkung auf die Leserinnen und Leser staunt, hat mich immer weniger gestört. Akzeptieren musste ich jedoch, dass mir garantiert viele Anspielungen und ironische Details verborgen blieben.
Gedanken, die über die Lektüre hinaus wirken
Außergewöhnlich an diesem Roman sind einerseits die deutlich unterscheidbaren Stimmen und das Feuerwerk aus unterschiedlichsten Textsorten wie Berichten, Tagebüchern, Pressemeldungen, Gesprächen, Briefen und mit „Biographem“ überschriebenen Abschnitten, andererseits der teils satirische Blick auf die Literaturwelt, die Darstellung des durch die Kolonisation zerrissenen Senegals und die Gedanken über die ganz besonderen Herausforderungen an Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dem frankophonen Afrika. Das Dilemma beschreibt ein kongolesischer Kollege Diéganes so:
Er [Elimane] bewies, dass sein kulturelles Wissen alles umfasste, um als Weißer zu gelten; doch man hat ihn nur umso nachdrücklicher daran erinnert, dass er ein Schwarzer war. […] Die Kolonisation sät bei den Kolonisierten Verzweiflung, Tod, Chaos. Doch sie sät in ihnen auch – und das ist ihr teuflischster Erfolg – den Wunsch zu werden, was sie zerstört. Das ist Elimane: die ganze Trostlosigkeit der Entfremdung. (S. 406)
Ein würdiger Preisträger, der das Handwerk des Erzählens ohne Frage beherrscht.
Mohamed Mbougar Sarr: Die geheimste Erinnerung der Menschen. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Hanser 2022 www.hanser-literaturverlage.de
Weitere Rezensionen zu Siegertiteln des Prix Goncourt auf diesem Blog:
Meine liebsten Bücher 2022 sind nicht alle in diesem Jahr erschienen, sie haben mich aber im Laufe des Jahres am nachhaltigsten beschäftigt und sind zu Freunden geworden. Mein Kriterium ist dabei weder, dass die Bücher sich bereits über lange Zeit als Klassiker bewährt haben, noch die Überzeugung, dass sie auch in hundert Jahren noch gelesen werden. Es ist eine subjektive Auswahl von Titeln, die für mich im genau richtigen Augenblick kamen.
Wie 2022 haben es auch in diesem Jahr wieder 17 Bücher unterschiedlicher Genres auf meine persönliche Hitliste geschafft. Geordnet sind sie nach dem Zeitpunkt meiner Lektüre im Verlauf des Jahres 2022. Ein Schwerpunkt liegt auf der skandinavischen Literatur, nicht zuletzt wegen einer eindrücklichen Norwegenreise im Sommer 2022.
Die Kanadierin Bobbi French, geboren und aufgewachsen in Neufundland und Labrador, war als Psychiaterin tätig, bevor sie für die Schriftstellerei ihren Beruf aufgab. Damit sind ihr Patientinnen wie die Protagonistin und Ich-Erzählerin in ihrem Romandebüt Die guten Frauen von Safe Harbour vermutlich vertraut, die sich für einen in Kanada legalen ärztlich assistierten Suizid entscheiden und dafür ein psychiatrisches Gutachten benötigen.
Tödliche Diagnose Frances Delaney ist 58 Jahre alt, als ein bösartiger Hirntumor bei entdeckt wird. Sie hat Neufundland nie verlassen, wohl aber den fiktiven kleinen Fischerort an der Südküste namens Safe Harbour, in dem sie bis zum Alter von elf Jahren eine glückliche Kindheit verbrachte. Nach dem tief betrauerten Tod des Vaters auf See versank die Mutter in eine Depression und schließlich griffen die unmenschlichen Regeln der katholischen Kirche erbarmungslos in das Leben des Teenagers ein. Frances‘ Leben geriet aus der Spur, der Ozean wurde ihr zum Sinnbild des Schreckens, jegliches Selbstbewusstsein war verloren, Schuldgefühle quälten sie und zuletzt zerbrach sogar ihr letzter Rettungsanker, die Freundschaft zur quirligen, fürsorglichen Annie Malone:
Auf dieser Welt waren zwei Menschen, die behaupteten einander zu lieben, nur ein einziges schreckliches Gespräch davon entfernt, nie wieder miteinander zu sprechen. (S. 150/151)
Hals über Kopf verließ Frances damals nach dem Schulabschluss Safe Harbour. Doch anstatt wie geplant in St. John’s zu studieren, putzte sie in Hotels, arbeitete später als Haushaltshilfe bei begüterten Familien und ihre Menschenscheu und Schüchternheit bescherten ihr ein Dasein in völliger Einsamkeit:
Ich habe nicht das Leben gelebt, das ich wollte – ich habe das Leben gelebt, das passiert ist. (S. 213)
Rückkehr nach Safe Harbour Nach der Diagnosestellung 2019 entscheidet sich Frances wohlüberlegt gegen eine möglicherweise lebensverlängernde Therapie und für das selbstbestimmte Sterben. Bis dahin allerdings will sie endlich nach ihren Regeln leben und die 16-jährige Edie, Tochter ihrer letzten Arbeitgeberin und ihr lieb wie ein eigenes Kind, unterstützt sie nach Kräften. Erst allmählich kristallisiert sich der wichtigste Punkt auf ihrer Wunschliste heraus: Rückkehr nach Safe Harbour.
Und so werden die Monate, in denen der „Tintenfisch im Kopf“ immer mehr Raum fordert und die Kopfschmerzen und Anfälle stetig zunehmen, zu Frances‘ wohl aufregendsten und glücklichsten – bis das Ende sich nicht weiter hinausschieben lässt.
Überraschend humorvoll und optimistisch Zwar habe ich die im Klappentext angekündigte Packung Taschentücher nicht gebraucht, trotzdem hat mich Die guten Frauen von Safe Harbour berührt und gut unterhalten. Allerdings hätte mir das Buch noch besser gefallen, wären die Abschnitte in der Gegenwart weniger dialoglastig und dafür stilistisch anspruchsvoller gewesen. Eindeutig besser geschrieben sind die spannenden Rückblenden in Frances‘ Vergangenheit und die Schilderungen der rauen Landschaft Neufundlands sowie der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen an der Küste, die gerne auch ausführlicher hätten sein dürfen. Dem Blick der Psychiaterin sind die genauen Charakterzeichnungen und die eingestreuten Informationen zum Procedere der Sterbehilfe in Kanada zu verdanken.
Die guten Frauen von Safe Harbour ist ein Plädoyer für das Leben, Versöhnung und das Recht auf Selbstbestimmung, eine Ode an die Freundschaft und ein überraschend humorvoller, optimistischer, selten kitschiger Unterhaltungsroman darüber, was im Angesicht des Todes noch möglich ist.
Bobbi French: Die guten Frauen von Safe Harbour. Aus dem Englischen von Carina Tessari. Diederichs 2022 www.penguinrandomhouse.de
Unter dem Motto Mehr Klassikerinnen widmet der Manesse Verlag sein komplettes Jahresprogramm 2022 Schriftstellerinnen der Weltliteratur mit sehr frisch wirkenden Neuübersetzungen, kommentiert von namhaften Autorinnen und Autoren und in gewohnt hochwertiger Ausstattung.
Nach Mrs. Dalloway von Virginia Woolf und Babettes Gastmahlvon Tania Blixen war Charlotte Löwensköld von Selma Lagerlöf (1858 – 1940) meine dritte Lektüre aus diesem Programm. Ein Wagnis insofern, als mir Gösta Berling überhaupt nicht zusagte und ich von Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerssonmit den Wildgänsen wegen der spürbar pädagogischen Absicht und Langatmigkeit nicht begeistert war. Mit Charlotte Löwensköld erging es mir nun völlig anderes. Dieses Spätwerk von 1925 der als erste Frau 1909 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Autorin ist eine ebenso vergnügliche wie wendungsreiche Lektüre, die vor allem von starken Frauencharakteren und dem überragenden Erzähl- und Dramaturgievermögen von Selma Lagerlöf mit äußerst humorvollen Szenen und feiner Ironie lebt.
Inspiriert von einer wahren Geschichte Charlotte Löwensköld ist der mittlere Teil der värmländer Trilogie Die Löwenskölds, der sich jedoch problemlos seperat lesen lässt. Teil eins, Der Ring des Generals, ist eine Gespenstergeschichte, die von einem Ring als Ursprung allen Unglücks in der Familie Löwensköld erzählt. In Teil zwei, Charlotte Löwensköld, steht im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eine junge Frau aus dem nichtadeligen, mittellosen Familienteil im Mittelpunkt. Sie ist über fünf Jahre mit dem Hilfspastor Karl-Artur Ekenstedt verlobt, dessen kluge, umschwärmte Mutter, die Oberstin Beate Ekenstedt, wiederum eine adelige Löwensköld ist. Karl-Artur ist der verwöhnte Augapfel seiner Mutter. Während seines Studiums wechselt er unter dem Einfluss eines pietistischen Kommilitonen gegen den Willen seiner Eltern zur Theologie. In der Probstei Korskyrka als Hilfspastor eingesetzt, lernt er Charlotte kennen, die als Gesellschafterin im Haus des Propstehepaars lebt.
Gerne würde die intelligente, lebendige, charmante und bisweilen schelmische Charlotte ihren Langzeitverlobten endlich heiraten, doch verweigert der aus Gründen übersteigerter religiöser Askese den zur Gründung eines Hausstands nötigen beruflichen Ehrgeiz. Als er zudem unter den Einfluss der intriganten Organistenfrau Thea Sundler gerät und Charlotte einen Heiratsantrag des jung verwitweten, vermögenden Bergwerksbesitzers Gustav Schagerström erhält, gerät die Situation außer Kontrolle. Es beginnt eine immer rasantere Abfolge von Irrungen, Missverständnissen, Zufällen und Verwicklungen, so dass ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen konnte. Liebend gerne hätte ich eingegriffen, um Charlotte vor drohendem Unheil zu bewahren. Letztlich habe ich sie, die den guten Ruf ihres selbstverliebten Verlobten und dessen gefährdetes Einvernehmen mit seiner Mutter über ihre eigenen Interessen stellt, unterschätzt:
Aber in Charlotte floss altes, schwedisches Adelsblut, und in ihrer Seele wohnte der rechte schwedische Wille, der edle, stolze Wille, dem eine Niederlage nichts anhaben kann, der vielmehr mit ungebrochenem Elan zu neuen Kämpfen aufspringt. (S. 413)
Zeitlose Themen im Gewand des 19. Jahrhunderts Selma Lagerlöf porträtiert in Charlotte Löwensköld den Männern in Klugheit, Menschenkenntnis und Stärke überlegene, jedoch im Korsett ihrer Zeit gefangene Frauen und zeigt die Auswirkungen von selbstgerechtem, intolerantem religiösem Übereifer, bei dem Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen.
Das sehr erhellende, feministisch grundierte Nachwort von Mareike Fallwickl diskutiert neben anderem die Auswirkungen mütterlicher Erziehung auf Söhne und die Grenzen, die auch einer erfolgreichen Frau wie Selma Lagerlöf zu ihren Lebzeiten gesetzt waren.
Selma Lagerlöf: Charlotte Löwensköld. Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Mit einem Nachwort von Mareike Fallwickl. Manesse 2022 www.penguinrandomhouse.de
Rezensionen zu Romanen von Literaturnobelpreisträgerinnen und -trägern auf diesem Blog:
Der 1952 in Tunis geborene Sorj Chalandon gehört nicht nur zu den wichtigsten zeitgenössischen Schriftstellern Frankreichs, sondern auch zu den renommiertesten Journalisten. In seinen zehnten Roman, Verräterkind, mit dem er auf der Shortlist des Prix Goncourt 2021 stand, fließen beide Tätigkeiten ein, basiert doch ein Teil dieses autofiktionalen Werks auf seiner preisgekrönten Reportage für die linksliberale Tageszeitung Libération über den Prozess gegen Klaus Barbie im Jahr 1987, den Gestapo-Chef und „Schlächter von Lyon“. Mit diesem weltweit aufsehenerregenden Gerichtsverfahren verknüpft Sorj Chalandon private Ermittlungen gegen seinen Vater, der ihn über seine Vergangenheit während des Zweiten Weltkriegs stets belogen hatte.
Ein Held, der keiner war
Prägend für die Kindheit des Ich-Erzählers waren eine unscheinbare, furchtsame Mutter und ein gewalttätiger, manipulativ mit eigenen Heldentaten prahlender Vater. 1962, als der Sohn zehn war, geriet dieses Heldenepos durch eine Bemerkung des Großvaters jäh ins Wanken:
Dein Vater stand im Krieg auf der falschen Seite. (S. 28)
Die Bürde des „Verräterkindes“ drohte ihn fortan zu ersticken:
Du durftest mich nicht einfach mit deiner Geschichte allein lassen. Sie war zu schwer zu tragen für einen Sohn. (S. 231/232)
Fünf Uniformen, vier Desertionen
Während der Ich-Erzähler aus dem Gerichtssaal in Lyon berichtete und die erschütternden Aussagen der Überlebenden und Hinterbliebenen hörte, versuchte er gleichzeitig, die Lügengebilde des als Zuschauer anwesenden, in Barbie-Verehrung erstarrten Vaters zu entlarven. Dokumente aus der Hinterlassenschaft seiner Tante und illegal angeeignete Unterlagen eines Prozesses gegen den Vater wegen „Schädigung der Landesverteidigung“ sollten Klarheit bringen, die Konfrontation damit sein Schweigen brechen. Fünf Uniformen trug er in vier Jahren, die der französischen Armee, der Vichy-Kollaborationsarmee, als Freiwilliger der von der Wehrmacht zum Kampf gegen den Bolschewismus gegründeten „Légion Tricolore“, der Waffen-Grenadier-Brigade der SS „Charlemagne“ und schließlich der Résistance, viermal desertierte er. Was davon auf Überzeugung, was auf kühler Berechnung und was auf dem schlichten Wunsch, auf der Seite der Sieger zu stehen, beruhte, blieb sowohl im Prozess 1945 als auch für den Sohn und damit für uns Leserinnen und Leser unklar. Gesichert scheint, dass der Vater immer ein „Leichtgewicht ohne viel Talent“ (S. 243) war, dass er nicht mehr als die Grundschule besucht und keinen Beruf hatte, als er sich mit 17 Jahren freiwillig zur Armee meldete, und dass er schon immer ein notorischer Lügner und Hochstapler war.
Gerichtsreporter und Sohn Verräterkind ist ein autofiktionaler Roman, dessen Fiktionalität vor allem in der Parallelität der beiden Handlungsstränge besteht. Während die Teile über den Barbie-Prozess und der Exkurs zum Schicksal der Kinder von Izieu mich mit ihrer einerseits reportagenhaften Klarheit, andererseits großen Emotionalität und atmosphärischen Brillanz vollkommen überzeugt haben, rückte die verzweifelte Wahrheitssuche des Sohnes für mich zunehmend in den Hintergrund, verblasste das Dickicht der Rollenwechsel dieses unbelehrbaren Charakters. Auch die Frage, ob Eltern ihren Kindern tatsächlich Rechenschaft schulden, vermag ich nicht so kategorisch zu bejahen wie Sorj Chalandon. Mehr noch als durch die Taten des Vaters fühlte sich der Ich-Erzähler verletzt durch dessen fehlendes Vertrauen und damit einen weiteren Verrat:
Du bliebst eine offene Frage und dein Krieg der reine Irrsinn. So konnte ich dich weder verstehen noch dir verzeihen. (S. 209)
Ein zweifellos wichtiger, in Teilen grandioser Roman, der zeigt, wie die Vergangenheit fortwirkt.
Sorj Chalandon: Verräterkind. Aus dem Französischen von Brigitte Große. dtv 2022 www.dtv.de
Weitere Rezension zu einem Roman von Sorj Chalandon auf diesem Blog:
Während auf internationalen Konferenzen über Strategien gegen das weltweite Artensterben verhandelt wird, gibt es auch gute Nachrichten. Zwanzig bislang kaum bekannte Tierarten, die garantiert nicht in Brehms Tierleben zu finden sind, beschreibt Juri Johansson in seinem Bilderbuch Von Schildflöten, Herdmännchen und Großmaulnashörnern. Jedem von ihnen ist eine Doppelseite gewidmet, links mit einem fantasievollen, witzigen, teils absurden lexikonartigen Text, rechts mit einer bezaubernden, farbenfrohen und hervorragend dazu passenden Illustration der Geschöpfe in ihrem natürlichen Habitat von Stefanie Jeschke. Nicht ganz falsch liegt, wer dabei an Loriots Steinlaus aus seinem Sketch von 1976 denkt, die 1983 Aufnahme in das klinische Wörterbuch Pschyrembel fand. Wie Loriot ahmt Juri Johansson einerseits den trockenen Stil lexikalischer Einträge nach und konterkariert ihn andererseits durch Sprachwitz, Wortspielereien und inhaltlichem Schabernack.
Beispiele gefällig? Da sind die Pyjamalamas, die, da das Kleidungsstück nicht mitwächst, regelmäßig den zu klein gewordenen Pyjama hinters Bett werfen, um in einen größeren zu schlüpfen. Sie sind ausgewiesene Couchpotatos und bewegen sich nach Möglichkeit nur bis zum Kühlschrank.
Wiesel, Wiesosel und Warumsel werden fälschlicherweise oft für Nagetiere gehalten, gehören jedoch eindeutig zur Gattung der Fragetiere und sind renitente „Durchdringer“.
Eine eher unangenehme Zeitgenossin ist die ständig eingeschnappte Schmolle, die „beleidigte Leberwurst“ der Meere. Wer auf eine übellaunige Schmolle trifft, braucht viel „Flossenspitzengefühl“.
Ein Tollpatsch der besonderen Art ist die Schlamassel-Assel, mein Lieblingstier im Buch. Sie lässt kein Fettnäpfchen aus und versteckt sich verschämt unter Steinen und feuchtem Laub.
Ob Herdmännchen mit Chefkochschürze, Säbelzahn-Hörnchen in Siegerpose oder Ichwardasnicht-Kranich mit Unschuldsblick, alle sind von Stefanie Jeschke mit viel Liebe ins Bild gesetzt und doch hatte ich bei fast allen auch einen passenden Menschen vor Augen…
Ein Feuerwerk der Fantasie und Sprachkunst Man merkt beiden Künstlern den Spaß bei der Arbeit an, der sich auch prompt überträgt. Der hintergründige Sprachwitz und der Einfallsreichtum wirken aber nicht nur passiv, sie wecken zugleich auch Lust auf eigene Tierkreationen in Wort und Bild – sei es für sich allein, im Familienkreis, beim Kindergeburtstag oder im Grundschulunterricht.
Große Empfehlung fast ohne Altersbeschränkung Ich habe dieses absolut originelle Bilderbuch während eines Berlinaufenthalts in der Tucholsky-Buchhandlungentdeckt, die mit ihrem außergewöhnlichen Sortiment unbedingt einen Besuch lohnt. Hier bekommen auch selten präsentierte Bücher aus unabhängigen Kleinstverlagen wie dem erst 2021 gegründeten Berliner Kraus Kinderbuch Verlageine Chance.
Wer wie ich leicht schräge, kreative, aus dem Rahmen fallende Bilderbücher liebt, hat an dem auch von Denis Scheck und der Internationalen Jugendbibliothek München empfohlenen Von Schildflöten, Herdmännchen und Großmaulnashörnern garantiert langanhaltend Freude. Dabei ist es egal, ob man Kind ab etwa fünf Jahren oder aufgeschlossener Erwachsener ist, Grund zum Lachen gibt es für jedes Alter. Selberlesen können Kinder das bei Antolin gelistete Buch natürlich auch, sobald Wortungetüme wie „Pyjamalamamama“ oder „gepuderzuckerte Schokoschaben“ kein Hindernis mehr darstellen.
Juri Johansson & Stefanie Jeschke: Von Schildflöten, Herdmännchen und Großmaulnashörnern. Kraus Kinderbuch 2022 kraus-verlag.de
… der in Libyen stationierte britische Captain Robert Baines und seine verzagte Frau Rosalind ihren Sohn Roland nicht mit elf Jahren auf ein Internat in der Heimat geschickt hätten?
… Roland dort nicht an die rätselhafte junge Klavierlehrerin Miriam Cornell geraten wäre, die auf ewig sein „Hirn neu verdrahtet“ (S. 287)?
… die Kubakrise nicht mit Rolands erwachender Sexualität zusammengefallen wäre?
… er nicht die Schule abgebrochen und anschließend ein Jahrzehnt verbummelt hätte?
… er mehr aus seinen Begabungen als Konzertpianist, Tennisspieler oder Dichter gemacht hätte?
… er nicht ausgerechnet Alissa Eberhardt geheiratet hätte, die ihn und den siebenmonatigen Sohn Lawrence für eine Karriere als Schriftstellerin verließ?
… Alissa nicht ihrerseits im Schatten der Enttäuschungen ihrer Mutter aufgewachsen wäre?
Ein Roman mit vielen Stärken
In seinem gut 700 Seiten umfassenden 17. Roman Lektionen verzichtet Ian McEwan auf experimentelle Elemente wie in Nussschale oder Maschinen wie ich und erzählt stattdessen angenehm traditionell und überwiegend linear vom Leben des 1948 geborenen Roland Baines von den 1960er-Jahren bis über seinen 70. Geburtstag hinaus. Dabei geht es um Missbrauch, Obsessionen, Aufarbeitung, Prägungen, fehlenden Ehrgeiz, geplatzte Träume, väterliche Fürsorge, vielfältige Affären mit meist sehr erfolgreichen Frauen, den Wert von Familienleben und beruflichem Erfolg und die Frage, wann ein Leben als erfolgreich, wann als gescheitert gilt. Rolands Lebensstationen stellt Ian McEwan in den jeweiligen zeithistorischen Kontext: Die Suezkrise, die Kubakrise, der Falklandkrieg, die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, Glasnost, Perestoika und Wiedervereinigung, die Thatcher-Ära, New Labour, der Irak-Krieg, der Brexit, der Sturm auf das Kapitol und die Corona-Pandemie sind nur die wichtigsten äußeren Ereignisse. Die besondere Kunst Ian McEwans besteht darin, dass er diese an sich altbekannten sozialen und politischen Entwicklungen mit so leichter Hand in die Handlung verwebt, dass die zweifellos dahinterstehende Konstruktion nie offensichtlich wird. Außerdem bleibt es nicht bei der reinen Nacherzählung der Fakten, vielmehr ruft McEwan Gefühle, Hoffnungen und Ängste ins Gedächtnis, ganz besonders gelungen bei der Euphorie während des Mauerfalls und der in den Jahren danach schleichend eintretenden Ernüchterung durch die „neue Hässlichkeit“ (S. 698).
Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist die große Nähe zu seinen Figuren, allen voran Roland Baines, und die große Toleranz und Nachsicht, mit der Ian McEwan ihnen entgegentritt, wodurch er ihre Beurteilung ganz in das Ermessen seiner Leserinnen und Leser stellt. Roland Baines war mir spätestens nach der Hälfte des Buches so vertraut wie ein langjähriger Bekannter und meine anfänglich spärliche Sympathie für ihn wuchs mit jedem Kapitel.
Nicht zuletzt durchzieht den Roman – trotz mancher Tragik – ein unwiderstehlicher Humor, nicht nur dank Rolands Selbstironie, und die Sprache ist brillant.
Erinnerungen und Erfindungen
Natürlich stellt sich bei Lektionen mehr als bei Ian McEwans anderen Werken die Frage nach dem autobiografischen Bezug, unter anderem wegen des gleichen Geburtsjahres, der Kindheit in Libyen und der Internatszeit. „To milk my own life“ wäre eine Grundlage beim Schreiben von Lektionen gewesen, so McEwan in einem Interview, und trotzdem entspringt die Handlung größtenteils seiner Fantasie, eine Vorgehensweise, wie sie auch die Schriftstellerin Alissa im Roman beschreibt.
„So viele vergessene Lektionen“ (S. 696), beklagt der 74-jährige Roland bei der Politik. Und was hat er für sich gelernt?
Eine Schande, eine gute Geschichte für eine Lektion zu missbrauchen. (S. 707)
Ian McEwan jedenfalls missbraucht seinen herausragenden Roman nicht dafür.
Ian McEwan: Lektionen. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Diogenes 2022 www.diogenes.ch
Weitere Rezensionen zu Romanen von Ian McEwan auf diesem Blog:
Im Jubiläumsband zehn der kultigen Tegernsee-Reihe um das ungleiche Duo Wallner/Kreuthner lässt der Jurist und Autor Andreas Föhr ausnahmsweise nicht den unkontrollierbaren und unkonventionellen Polizeihauptmeister Leonhardt Kreuthner die Leiche finden, sondern den reflektierten, teamfähigen Kriminalhauptkommissar Clemens Wallner. Jedenfalls ist er zuerst am Fundort, denn beim Skifahren hat ihm ein Unbekannter die Koordinaten in die Hand gedrückt. Doch kurz nach ihm taucht auch Kreuthner in dem Hotelrohbau auf. Warum? Hat er wirklich nur zufällig Wallners Wagen gesehen oder steckt mehr dahinter?
Ein Mordfall, viele mögliche Motive Das Opfer, Philipp Gansel, getötet mit mehreren Schüssen, war Mitglied des Bayerischen Landtags mit auffallend steiler Politkarriere in den vergangenen zehn Jahren. Hat er sich mit den falschen Leuten eingelassen oder ist das Motiv eher im privaten Bereich zu suchen? Was hat ein zwei Monate zuvor in der Mangfallmühle, dem übel beleumdeten Lieblingsgasthaus Kreuthners, „wo sich Menschen zusammenfanden, denen die schattigen Niederungen gerade recht waren“ (S. 7), ausgehecktes Femegericht des Polizeihauptmeisters und seiner zwielichtigen Freunde gegen Philipp Gansel damit zu tun? War ihnen die nur halbwegs geglückte Abreibung nicht genug? Nicht lange, und Kreuthner wird zum Haupttatverdächtigen, denn Gansels Frau Philomena war vor langer Zeit seine Freundin, und dass sie in ihrer Ehe häuslicher Gewalt ausgesetzt war, wollte er nicht dulden. Wallner allerdings glaubt nicht so recht an die Schuld des langjährigen kollegialen Freundes und ermittelt in alle Richtungen, auch wenn die Arbeit durch die neue Leiterin der Polizeiinspektion Miesbach, Karla Tiedemann, einem weiteren Alphatier unter den Vorgesetzten, nicht einfacher wird. Der „Profilügner“ (S. 143) Kreuthner manövriert sich derweilen mit seiner ganz eigenen Logik immer tiefer in den Schlamassel. Seine Hoffnungen ruhen einzig auf Wallners Ermittlungsgeschick, denn selbst seine Mangfallmühlenkumpel lassen Solidarität vermissen:
Weißt – ich hab so viel Dusel g’habt bei dem ganzen Scheiß, den ich angestellt hab in meinem Leben. Irgendwer hat mich immer rausgehauen. Oft warst du des. Und vielleicht sperren die mich jetzt für was ein, was ich gar nicht war. So als Ausgleich mal andersrum. (S. 263)
Eine herausstechende Regionalkrimi-Serie Wie immer in dieser Reihe steht trotz des durchaus vorhandenen, mit Augenmaß dosierten Lokalkolorits und Einblicken in das Privatleben Wallners die klug durchdachte Krimihandlung mit Rückblicken in die nähere und ferne Vergangenheit im Mittelpunkt. Es ist jedes Mal eine große Freude, die beiden bodenständigen Polizisten wieder zu treffen, den grundsoliden Kripobeamten Wallner mit der legendären Abneigung gegen Zugluft und das Urgestein Kreuthner, für den kein Gesetz zu gelten scheint, aber auch Wallners inzwischen 91-jährigen Großvater Manfred. Spritzige Dialoge, unerwartete Wendungen, Spannung bis fast zur letzten Seite, seriöse Ermittlungsarbeit und skurrile Slapstickeinlagen haben mich wieder sehr gut unterhalten, auch wenn der Humor in anderen Bänden der Reihe noch mehr nach meinem Geschmack ausfiel. Auf jeden Fall bin ich jedoch bei Band elf wieder dabei, schon um erfahren, ob der frische Wind in der Polizeiinspektion für den frisch geschiedenen Wallner auch privat weht…