Alles über die grauen Riesen
Band 86 Elefanten aus der Kinder- und Jugendsachbuchreihe Was ist was ist im Oktober 2017 in der inhaltlich und gestalterisch neu konzipierten Fassung erschienen. Die Autorin Andrea Weller-Essers hat Philosophie und Deutsch auf Lehramt studiert, ist also nicht wie früher bei der Reihe üblich „vom Fach“, sondern arbeitet als freiberufliche Redakteurin und Autorin für Kinder- und Schulbuchverlage. Verglichen mit den Bänden, die noch im Regal meiner inzwischen erwachsenen Töchter stehen, sind durch diesen Wechsel von Wissenschaftlern hin zu Pädagogen die Texte einfacher, verständlicher und kürzer geworden, der Zugang erfolgt vor allem über die teils groß-, teils kleinformatigen, sehr gut ausgewählten Bilder. Außerdem ist die Typografie nun moderner, bunter, abwechslungsreicher, aber trotzdem weiterhin sehr übersichtlich und keinesfalls unruhig. Wurden die Bände der Reihe früher meiner Erfahrung nach viel zu jungen Leserinnen und Lesern in die Hand gedrückt, besteht die Altersangabe „ab acht“ nun zu recht, denn die Kinder können anhand der Bilder selbst entscheiden, welche Texte sie lesen möchten.
Der Band Elefanten gliedert sich in vier am oberen Rand farblich abgesetzte Kapitel:
- „Friedliche Riesen“ umfasst ein Interview mit dem Leiter des Elefantenreviers im Heidelberger Zoo, zeigt die Lebensräume der Tiere und die Steckbriefe der verschiedenen Elefantenarten, ihre anatomischen Besonderheiten und ihrer aktuellen und ausgestorbenen Verwandten.
- In „Leben in der Herde“ geht es um die Verhaltensbiologie der Tiere.
- „Elefanten und Menschen“ zeigt die Rolle der Elefanten in Asien und das Leben im Zoo.
- Um die Themen Wilderei, Elfenbein, Nationalparks und Höhlenelefanten geht es in „Riesen in Not“.
Rekordliebhaber kommen bei den Zahlen auf ihre Kosten, Abschnitte wie „Schon gewusst“, „Fanny Fact“ oder „Angeberwissen“ heben spannende Details extra hervor. Ein kurzes Glossar am Ende rundet den sehr gelungenen Band wie üblich nach 48 Seiten ab. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind nach der unterhaltsamen Lektüre garantiert schlauer!
Andrea Weller-Essers: Elefanten. Tessloff 2017 (Was ist was. 86)
www.tessloff.com
Im Herbst 2016 erschien unter dem Titel Geheimnis in Weiß von Joseph Jefferson Farjeon (1883 – 1955) ein klassischer englischer Kriminalroman aus dem Jahr 1937 erstmals beim Verlag Klett-Cotta auf Deutsch in einer wunderschönen flexiblen Leinenausgabe mit Lesebändchen. In gleicher Aufmachung und wieder an den Weihnachtstagen spielend, gibt es nun ein Jahr später erneut einen Krimiklassiker erstmals auf Deutsch: Geheimnis in Rot von Mavis Doriel Hay aus dem Jahr 1936, der mir sogar noch eine Spur besser gefallen hat.
Ein ganz gewöhnlicher Sommerurlaub in Griechenland sollte es werden, doch dann landen Mama und Papa Glockenspiel, Valentina, Nils und der Plüschhase Stinkebär aus Versehen in Island. Reykjavik statt Athen und dann noch die ungewöhnlichste Unterkunft aller Zeiten: Das Hotel Haarsträub macht seinem Namen alle Ehre. Winzig von außen entpuppt es sich als Hotel mit 178.899 Räumen und riesiger Halle, das Zimmer der Glockenspiels liegt weit oben, obwohl sie eindeutig nur abwärts gegangen sind, die Toilette hängt an der Decke, die Bilder können sprechen, im Schrank wohnt ein Zwerg mit Geige, die Speisekarte ist gewöhnungsbedürftig bis eklig und sowohl die Hotelangestellten wie die anderen Gäste sind Monster in allen Farben, Formen und Behaarungsvarianten. Während die Eltern von einem Schock in den anderen fallen und bereits über die Abreise nachdenken, findet Valentina ihre Umgebung immer spannender und hat keine Angst, im Gegensatz zu den Monstern, die mit Märchen über die gemeingefährlichen Menschen aufgewachsen sind. Und bekanntlich gruselt man sich am meisten vor dem, was man nicht kennt… Zum Glück kann Valentina diese Ängste ausräumen und der Urlaub wird doch noch ein Erfolg – Wiederholung nicht ausgeschlossen!
Gabriel, genannt Gaby, hat nach seiner Flucht aus dem Bürgerkriegsland Burundi Jahre gebraucht, um sich in Frankreich zu integrieren. Auch nach 20 Jahren ist er besessen vom Gedanken an eine Rückkehr: „Ich muss zurück. Und wenn auch nur, um klar zu sehen. Um ein für alle Mal abzuschließen mit dieser Geschichte, die mich verfolgt. Um für immer die Tür hinter mir zuzuschlagen.“ Und so macht er sich mit 33 Jahren auf den Weg zurück und erzählt seine Geschichte.
Kurz nachdem ich Butcher’s Crossing von John Williams (1922 – 1994), seinen zweiten Roman aus dem Jahr 1960, der 2015 bei dtv erstmals auf Deutsch erschien, gelesen hatte, habe ich mir zusätzlich das Hörbuch besorgt und bin von der Umsetzung vollständig überzeugt. Die Übersetzung von Bernhard Robben hat in der gesprochenen Form noch stärker auf mich gewirkt, die Kürzungen sind behutsam und überlegt durchgeführt, die sieben CDs mit einer Laufzeit von 538 Minuten nicht zu lang und der Sprecher Johann von Bülow hat mich nach kurzer Gewöhnungsphase mit seinen Stimmmodulationen in Bann gezogen. Auch meine Befürchtungen, die so grausam beschriebenen Jagdszenen könnten sich vorgelesen als unerträglich erweisen, sind zum Glück nicht eingetreten, vielleicht, weil ich gut darauf vorbereitet war.
Ein literarisches Highlight des Jahres 2013 war für mich der College- und Eheroman Stoner des US-Amerikaners John Williams (1922 – 1994). Ursprünglich in den USA 1965 als dritter seiner vier Romane erschienen, wurde er mit 48 Jahren Verspätung in Deutschland veröffentlicht und zum Überraschungsbestseller.
Die Kinderbücher von Silke Schlichtmann sind ein kleiner Schatz für mich, auch dieses dritte: Bluma und das Gummischlangengeheimnis. Die neue Protagonistin habe ich spontan ebenso ins Herz geschlossen wie zuvor Pernilla aus Pernilla oder Wie die Beatles meine viel zu große Familie retteten und Pernilla oder Warum wir nicht in den sauren Apfel beißen mussten. Das liegt vor allem am Einfühlungsvermögen der Autorin, an ihrem Reichtum an Ideen, an ihrem ebenso unterhaltsamen wie dezent lehrreichen Erzählstil und an ihrer Wertschätzung für ihr Publikum und ihre Figuren, die man auf jeder Seite spürt.
Die goldene Regel des Skorpions – ruhig beobachten, schnell zustechen, noch schneller verschwinden – ist Lorenzo Falcós Überlebensrezept. Ursprünglich aus guter andalusischer Winzerfamilie, wurde er nach einer abgebrochenen Militärlaufbahn und einer erfolgreichen Karriere als skrupelloser Waffenhändler vor sechs Jahren vom „Admiral“, dem Leiter des Geheimdienstes SNIO, dem harten Kern der franquistischen Spionage, für dessen Eliteeinheit „Grupo Lucero“ rekrutiert. Er ist der „Mann für die Drecksarbeit“, die „Müllabfuhr“ der Rechten, und kämpft keineswegs aus Überzeugung für die Sache Francos, der Nationalisten und Katholiken, sondern aus Abenteuerlust, prinipien- und leidenschaftslos, ohne Ideale und nur für sich selbst und gegen alle anderen: „Nur manche Getränke, manche Zigaretten und manche Frauen übten eine vergleichbare Wirkung aus.“
Algravia, die Welt voller Magie, ist bedroht, denn der gemeine dunkle Magier Rabenhorst ist dabei, sich die mächtigsten Gegenstände zu besorgen: die drei Zauberstäbe aus dem magischen Labyrinth. Alle Zauberwesen von Algravia, die elfenhaften, leuchtenden Lunies, Kasimir, der sprechende lila Kater, die Rumpelriesen, die Hexe Fia Feu, die Mini-Drachen, die sprechenden Bäume, die Trolle und viele andere sehnen die Rettung herbei. Es braucht drei neue Magier, drei Kinder, die die Zauberstäbe aus dem magischen Labyrinth holen und die Harmonie in Algravia beschützen, nachdem die vorherigen Magier erwachsen geworden sind. Der besonnene, vorsichtige Conrad, seine draufgängerische Freundin Vicky mit der Berliner Schnauze und seine stille Schwester Mila, die sich während eines Sommernachmittags am Badesee plötzlich in Algravia wiederfinden, bezweifeln zunächst, dass sie die Richtigen sind. Aber im Angesicht der Bedrohung, nehmen sie allen Mut zusammen…