Die Spur führt weit in die Vergangenheit
„Du hast mein Leben zerstört. Jetzt habe ich deins zerstört.“ – Vor einigen Jahren hat Bogart Bull, Kommissar bei der Osloer Kriminalpolizei, den damals 19-jährigen Richard Torp wegen diverser Sexualdelikte hinter Gitter gebracht, nun, nach seiner Entlassung, hat Torp Bulls Frau und 12-jährige Tochter bei einem provozierten Autounfall getötet. Für Bull stellt sich die Frage, ob er aufgeben oder weitermachen will, und er beantwortet sie zunächst mit einem Absturz in die Alkoholsucht. Zur Retterin wird seine Chefin Eva Heiberg, die nicht nur für einen Therapieplatz sorgt, sondern ihm darüber hinaus ein halbes Jahr nach der Tragödie die Chance auf einen Neubeginn ermöglicht: Er soll als norwegischer Ermittler bei Europol für norwegische Verbrechensopfer im EU-Ausland zuständig sein.
Nachdem Bull die Stelle trotz vielfältiger Bedenken akzeptiert, hat er sofort den ersten Fall auf dem Tisch: An der Côte d’Azur wurde der norwegische Immobilieninvestor und Multimillionär in seinem Haus ermordet und der Leiche posthum ein Kreuzzeichen in den Rücken geschnitten. Gestohlen wurde lediglich ein scheinbar unbedeutendes kleines Ölgemälde, die wertvolle Kunstsammlung dagegen nicht angetastet.
Zusammen mit Kommissar Jean Moulin von der Kriminalpolizei Marseille beginnt Bogart Bull mit den Ermittlungen, die ihn erstmals seit den tragischen Ereignissen wieder aus seiner „heiligen Dreieinigkeit Haus, Grab, Büro“ hinausführen. Um den Fall zu lösen, werden die beiden Ermittler tief in die Vergangenheit blicken müssen, zu einem Künstlertreffen in Cotignac an der Côte d‘Azur im Jahr 1906 mit Henri Matisse, Edvard Munk und fünf anderen Malern des Fauvismus, darunter der junge Santiago Gaillard, zu Gaillards Neubeginn nach dem Tod seiner Frau in der Nähe von Limoges 1918 und zu einem Massaker an einer Gruppe von „Maquisards“, Kämpfern der Résistance, auf dem Gaillard-Hof 1943. Und es wird weitere Tote geben, wieder mit einem Kreuz auf dem Rücken…
Mit Bogart Bull hat der 1958 geborene norwegische Krimiautor Øistein Borge einen sehr sympathischen, vielschichtigen Protagonisten geschaffen. Auch seine verständnisvolle, kluge Chefin hebt sich wohltuend von den sonst oft dümmlichen Vorgesetzten der Ermittler ab. Außerdem hat mir die Idee, den Hauptakteur zukünftig an verschiedenen europäischen Orten einzusetzen, sehr gut gefallen, ebenso wie die nicht selbstverständliche vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Europol-Abgesandten und der französischen Polizei. Allerdings waren mir die Teile in der Vergangenheit etwas zu ausufernd geschildert, obwohl ich mich eigentlich sowohl für die Résistance, als auch für Malerei interessiere.
Øistein Borge: Kreuzschnitt. Droemer 2017
www.droemer-knaur.de
Die Underground Railroad war ein aus Gegnern der Sklaverei, Farbigen wie Weißen, bestehendes informelles Netzwerk, das zwischen 1780 und 1862 etwa 100 000 Sklaven bei der Flucht aus den Südstaaten der USA in den Norden unterstützte. Man bediente sich dabei des Vokabulars der Eisenbahn, aber erst Colson Whitehead machte in seinem 2016 in den USA erschienenen, 2017 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Bestseller Underground Railroad aus der Metapher eine wirkliche Eisenbahn mit unterirdischen Gleisen, Dampflokomotiven, Wagen und Bahnhöfen. Diese Drehung ins Phantastische ist eine geniale Idee und hat mich, obwohl ich gewöhnlich keine Fantasy lese, absolut begeistert.
Frankreich als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist für mich in den vergangenen Monaten ein wirklicher Gewinn, denn Isabelle Autissiers
Vier Lesestufen umfasst die Loewe-Erstlesereihe Leselöwen: Bildermaus ab fünf Jahren mit Bildern zum Lesenlernen, Ich für dich, du für mich zum gemeinsamen Lesen ab sechs, Lesetiger für das erste Selberlesen ebenfalls ab sechs und Lesepiraten für fortgeschrittene Leser ab sieben Jahren.
So, wie die Katze das Mausen nicht lassen kann, kann Jakob Franck, ehemaliger Hauptkommissar im Münchner Morddezernat, nach seiner Pensionierung nicht aufhören zu ermitteln. Er nimmt eine „inoffizielle Rolle als polizeilicher Hilfsdienstleister und Zuhörer in Notzeiten“ ein, überbringt wie zu seiner aktiven Zeit zur Erleichterung seiner ehemaligen Kollegen Todesnachrichten an Hinterbliebene und längst hat sein Nachfolger André Block begriffen und akzeptiert, „dass sein ehemaliger Chef noch lange nicht pensioniert genug war“.
Büchersterne heißt die Reihe für Erstleser aus dem Oetinger Verlag, die für Lesespaß in drei Stufen sorgen soll. Der vorliegende Band Superhugo rettet Leben! von Salah Naoura gehört zur mittleren Kategorie für die erste und zweite Klasse, ist in großer Fibelschrift und im Flattersatz mit kurzen Zeilen gedruckt, hat kurze Leseabschnitte und ist in fünf Kapitel unterteilt, textunterstützend illustriert von SaBine Büchner und bietet auf acht Doppelseiten am Ende viele abwechslungsreiche Rätselangebote mit Lösungen.
Der Einstieg in Elena Ferrantes dritten Band ihrer neapolitanischen Saga gelang mir wie schon beim letzten Mal trotz einiger Monate Wartezeit problemlos: nach wenigen Seiten war ich wieder eingetaucht in die ungleichen Biografien der Kinderfreundinnen Elena und Lila aus dem neapolitanischen Rione.
Drei Freunde, so unzertrennlich, dass sie zusammen nur einen Schatten werfen, zehn gemeinsame Kinder- und Jugendjahre, Zukunftspläne für eine Studenten-WG in Hamburg und ein Leben als Polarforscher, herübergerettet aus alten Kindheitsträumen – und dann urplötzlich ein Bruch: „Nichts, was darauf hinwies, warum du uns nicht mehr kennen wolltest.“ Nach einem gemeinsamen Urlaub an der französischen Atlantikküste verabschiedet Fido sich wie immer von den Geschwistern Hanna und Jan, um dann vollkommen aus deren Leben zu verschwinden. 20 Jahre ist das nun her und Hanna, die trotz allem ihren Traum von der Forscherkarriere verwirklicht hat, ist damals emotional eingefroren, einsam geworden, hat das Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit eingebüßt, hat alles weggeräumt, was mit Fido zu tun hatte und sogar den Kontakt zu Jan und ihrer Familie weitgehend abgebrochen. Wie bei einem „Whiteout“, einem meteorologischen Phänomen, das durch stark diffuse Reflexion des Sonnenlichts ein Verschwinden des Horizonts zur Folge hat, hat das abschiedslose Verschwinden Fidos bei Hanna eine Desorientierung ausgelöst, die sie nur mit Hilfe der zielstrebigen Verwirklichung ihres Lebenstraums verdrängen konnte.
Auch wenn es sich bei Die Wilma hat Ferien von Babett Jacobs bereits um den zweiten Band der Reihe handelt, fällt der Einstieg leicht, denn alles Wissenswerte erfährt man im Vorkapitel „Wer ist eigentlich diese Wilma?“.