Lebenslange Suche nach der eigenen Identität
An dieses Buch bin ich mit teilweise falschen Erwartungen gegangen. Ein zugleich informatives wie unterhaltendes Sachbuch hatte ich erwartet, ein sehr gut recherchiertes, aber für literaturwissenschaftliche Laien wie mich nicht leicht zu lesendes Werk, mehr Fach- als Sachbuch, habe ich vorgefunden. Vieles meine ich zwar verstanden zu haben, kann es aber aufgrund mangelnder literaturwissenschaftlicher Kenntnisse nicht diskutieren, wie z. B. die Rezeptionsgeschichte und die Eskapismusvorwürfe, bei anderem teile ich die Beurteilung der Autorin manchmal nicht. Wenn sie bei einer sicherlich 1979 als avantgardistisch empfundenen Momo-Lesung vor 200 Managern bei einer Veranstaltung des Duttweiler Instituts zum Thema „Die Rationalisierungsfalle“ deren Diskussionsverweigerung der „Naivität oder Hybris“ von Michael Ende zuschreibt, der eine „falsche, instinktlose, vielleicht auch respektlose Taktik gewählt hatte“, so ist dies eine der Interpretationen, bei denen ich grundlegend anderer Ansicht bin.
Sehr klar chronologisch gegliedert in sieben Zeitabschnitte schildert Birgit Dankert Michael Endes Leben. Seine Hauptwerke Jim Knopf, Momo, Die unendliche Geschichte und Der Wunschpunsch werden ebenso wie verschiedene Bilderbücher und kleinere Schriften mit einer ausgezeichneten Inhaltsangabe präsent gemacht. Daneben erfährt man einiges zur Arbeitsweise von Michael Ende, über seine genauen Vorstellungen zur Illustration, zur Bühnenfassung und zu Verfilmungen, die die Zusammenarbeit mit ihm zur Herausforderung machten. Besonders interessant fand ich die Beziehung zur Familie Weitbrecht, den Inhabern des Thienemann Verlags, dem Ende lebenslang verbunden blieb.
Birgit Dankert hat u. a. Deutsche Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Bibliothekswissenschaft studiert und hat für ihre Verdienste um das deutsche Bibliothekswesen 2005 die höchste Auszeichnung für Bibliothekare, die Karl-Preusker-Medaille, verliehen bekommen. Ihren Fleiß und ihre penible Recherche spürt man bei dieser Biografie auf jeder Seite, wenn sie anhand unzähliger Quellen nahezu jeden Lebensschritt Michael Endes belegt. Verbunden ist dies aber in meinen Augen mit einem Verlust der Leichtigkeit und ich hätte mir oftmals einen direkteren Blick auf Michael Ende gewünscht, dem sie doch beim Studium so vieler Quellen, im Literaturarchiv in Marbach v. a. Primärquellen, näher gekommen sein muss, als man es in dieser spröden Biografie spürt.
Neben den puren Lebensdaten und -stationen, die ich hier nicht aufführen möchte, fand ich besonders interessant, dass Michael Ende sich zeitlebens trotz aller Erfolge nicht mit seinem von ihm als zweitklassig angesehenen Dasein als Kinder- und Jugendbuchautor abfinden konnte. Seine nie endende Suche nach der eigenen Identität und seine Rastlosigkeit standen im Mittelpunkt seines Künstler- wie seines Privatlebens. Neu und sehr spannend für mich, die ich nur seine Kinder- und Jugendbücher kannte, war seine künstlerische Vielseitigkeit, die die Autorin sehr anschaulich darstellt, und die Diskussionen zur Kinder- und Jugendliteratur der 1970er- und 1980er-Jahre, in denen ihm immer wieder die Realitätsferne und fehlende Problemorientierung seiner Bücher vorgeworfen wurden.
Ausführliche Anhänge und Register runden die informative Biografie ab. Ich würde allerdings jedem Interessenten dringend empfehlen, vor dem Kauf hineinzulesen.
Birgit Dankert: Michael Ende. Lambert Schneider 2016
www.wbg-wissenverbindet.de
Nachfolger des Sams ist der Mischlingshund Bello. Er gehört dem 12-jährigen Max, dem Sohn des alleinerziehenden Apothekers Sternheim. Die Beiden führen einen typischen Männerhaushalt, seit die Mutter von Max mit einem Krokodiljäger durchgebrannt ist.
Zwischen einem Prolog und einem Epilog umfasst das Buch vier Teile mit insgesamt 14 Kapiteln, die mit Gegensatzpaaren wie „Ordnung und Chaos“ oder „Verlust und Gewinn“ sehr fantasievoll überschrieben sind.

Die Geschichte um die Waisenbrüder Prosper und Bo, die vor ihrer ungeliebten Tante nach Venedig fliehen, sich der Kinderbande um den geheimnisvollen Herrn der Diebe anschließen, einen Privatdetektiv auf ihre Seite ziehen und in das Abenteuer um das magische Karussell der Barmherzigen Schwestern verstrickt werden, wird von Rainer Strecker so nuancenreich vorgelesen, dass die 234 Minuten der sieben CDs wie im Fluge vergehen. Die hervorragend ausgewählte, von der Klassik inspirierte Musik von Jens Kronbügel verstärkt den vom Sprecher vermittelten Eindruck, selber im Gewirr der venezianischen Plätze, Gassen und Kanälen mit dabei zu sein.
arlene Thompson, 1952 in den USA geboren, studierte englische Literatur und arbeitet als freie Schriftstellerin. In ihren Psychothrillern stehen charakterstarke Frauen im Vordergrund, deren heile Welt durch eine düstere, nur scheinbar überwundene Vergangenheit zerbricht.
Das Mädchen mit dem Fingerhut macht bereits die Zuordnung zu einer literarischen Gattung schwer: ein kurzer Roman, eine Novelle, ein Märchen?
Uwe Timm gehört für mich mit seinen Romanen für Erwachsene zu den größten lebenden deutschsprachigen Autoren. Sein Kinderbuch Die Zugmaus, erstmals erschienen 1981 und inzwischen schon ein Kinderbuchklassiker, habe ich erst jetzt kennengelernt, da meine Tochter es als Referendarin im Rahmen einer Projektprüfung in einer dritten Grundschulklasse mit den Schülerinnen und Schülern gelesen hat. Dazu hat sie auch das im BVK Verlag erschienene, sehr empfehlenswerte Zusatzmaterial Literaturprojekt zu „Die Zugmaus“ von Ulrike Itze und Jessica Steggemann für die fächerübergreifende Unterrichtsgestaltung verwendet sowie die ausgezeichnete Hörspielversion.
So super, wie der Buchtitel Super Sarah es suggeriert, ist Sarah zunächst eigentlich nicht. Sie ist ein Tollpatsch wie er im Buche steht, das schwarze Schaf der supertalentierten Familie Adams, und fliegt deshalb eher früher als später aus jeder AG. Dabei ist sie ein liebenswertes Mädchen, das einfach nur gemocht werden will und sich die allergrößte Mühe gibt, um Missgeschicke zu vermeiden.