Karma Brown: Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau

  Ein Haus, zwei Bewohnerinnen, zwei Zeitebenen

 

Karma Brown war als kanadische Journalistin und Buchautorin Teil des Gastlandauftritts Kanadas bei der Frankfurter Buchmesse 2021. Mit Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau landete sie in ihrem Heimatland einen Bestseller.

 

Nellie und Alice
Nellie bezieht das große Haus in Greenville vor den Toren von New York Mitte der 1950er-Jahre hoffnungsfroh. Sie ist Mitte 20 und frisch verheiratet mit dem wohlhabenden Kaugummifabrikanten Richard Murdoch. Während ihrer Kindheit mit einer alleinerziehenden, depressiven Mutter musste sie früh Verantwortung übernehmen, nun hofft sie auf Familienglück und eine starke Schulter. Ausgerüstet mit dem von ihrer Mutter handschriftlich kommentierten „Kochbuch für die moderne Hausfrau“ und ihrer Liebe zur Gartenarbeit möchte sie den zeitgenössischen Anforderungen an die perfekte Ehefrau genügen. Doch schnell sind ihre Hoffnungen dahin:

[…] Nellie hatte mittlerweile akzeptiert, dass ihre Ehe bestenfalls unerträglich, schlimmstenfalls lebensgefährlich war. Den Richard, den sie damals im Restaurant kennengelernt hatte – den charmanten Mann, der sie mit Aufmerksamkeiten und Geschenken überschüttete und sie glauben machte, sie müsse das Glück nur ergreifen -, gab es nicht mehr. In Wahrheit war dieser Mensch schon in ihrer Hochzeitsnacht verschwunden […]. (S. 197) 

Pech für Richard, dass er Nellies Entschlossenheit unterschätzt…

2018 zieht Alice mit ihrem Mann Nate Hale in das mittlerweile vernachlässigte Haus, auch sie keine 30 und frisch verheiratet. Lieber wäre sie in Manhattan geblieben, aber durch den Verlust ihres PR-Jobs und mit nichts als vagen Plänen für einen Roman hat sie dem Wunsch ihres Mannes wenig entgegenzusetzen – zumal sie ihn über den Grund ihrer Arbeitslosigkeit belogen hat. Widerwillig übernimmt sie die Haus- und Gartenarbeit, bis sie im Keller Nellies Kochbuch findet und deren nie abgeschickte Briefe an ihre Mutter in die Hand bekommt…

Viele Klischees und ein unglücklicher Fokus
Das Cover mit der typischen Hausfrau aus der Werbung der 1950er-Jahre, der doppeldeutige Titel und das Versprechen schwarzen Humors haben mich zu einem meiner seltenen Ausflüge ins Genre „Leichter Frauenroman“ bewogen. Zwar gefällt mir die Idee mit dem verbindenden Haus und den beiden Zeitebenen, Themen wie weibliche Rollenbilder, Selbstbestimmung, Mutterschaft und häusliche Gewalt sind zweifellos relevant und mit zwei Nachbarinnen gibt es zwei starke Nebencharaktere, doch liegt der Schwerpunkt leider mit 28 von 44 Kapiteln bei Alice, für die ich weder Anteilnahme noch gar Sympathie aufbringen konnte. Sie belügt wiederholt ihren Mann und unterstellt ihm Unehrlichkeit, agiert beruflich unprofessionell, naiv und dumm, behandelt ihre einzige Freundin mies und scheint nicht zu wissen, was sie will. Auch das Ende dieses Handlungsstrangs hat mir nicht gefallen. Nellie und ihre Geschichte sind dagegen ungleich interessanter und ihre Kapitel haben mehr Pfiff, allerdings habe ich sie früh durchschaut. Parallelen zwischen den beiden Frauenschicksalen vermag ich aufgrund der sehr verschiedenen Charaktere und Zeitumstände nicht zu ziehen.

Die hübsch gestalteten Kapitel beginnen mit leider ernst gemeinten Ratschlägen für perfekte Ehefrauen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Kapiteln über Alice beziehungsweise Rezepten der amerikanischen Küche aus den 1950er-Jahren bei Nellie. Gestört haben mich die Häufung von Druckfehlern, einige zu wörtliche Übersetzungen und der mehrfach verschmierte Druck auf dem einfachen Papier.

Schade, aber mich konnte dieser hochgelobte Unterhaltungsroman leider nicht begeistern.

Karma Brown: Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau. Aus dem Englischen von Hans M. Herzog. Penguin 2021
www.penguinrandomhouse.de

 

Weitere Rezensionen zu Büchern auf diesem Blog, die anlässlich des  Gastlandauftritts von Kanada auf den Frankfurter Buchmessen 2020/2021 erschienen:


       

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