Blut ist dicker als Wasser
Es ist drückend heiß in Fjällbacka im Sommer 2003, als ein sechsjähriger Junge beim Spielen in den Kungsklyftan eine frische Frauenleiche und zwei Skelette entdeckt. Patrik Hedström, Kriminalpolizist bei der Tanumhede Polisstation und gerade für einige Tage im Urlaub zuhause mit seiner hochschwangeren Lebensgefährtin Erica Falck, kehrt an seinen Arbeitsplatz zurück und wird von seinem ungewöhnlich verbindlichen und gutgelaunten Chef Mellberg mit der Leitung der Untersuchungen beauftragt. Schnell kann die kleine Ermittlergruppe die Tote als die vermisste deutsche Urlauberin Tanja Schmidt identifizieren. Hinter den beiden Skeletten, die ebensolche Verletzungen und Knochenbrüche aufweisen wie die Leiche, vermuten Patrik und seine Kollegen die seit dem Sommer 1979 spurlos verschwundenen Siv Lantan, damals 19, und Mona Thernblad, damals 18 Jahre alt. Der Verdacht fiel nach ihrem Verschwinden auf Johannes Hult, ausgelöst durch eine Anzeige seines Bruders Gabriel, doch der Verdächtige nahm sich kurz darauf das Leben. Auch jetzt scheinen wieder alle Spuren zu dieser ebenso schillernden wie zerstrittenen Familie zu führen. Deren Oberhaupt, der inzwischen verstorbene Prediger einer Freikirche, Ephraim Hult, war bekannt für seine wundersamen Heilungen, für die er seine Söhne Johannes und Gabriel benutzte, bis er durch das Erbe einer dankbaren Anhängerin reich wurde. Zwar sind die beiden Familienteile heillos zerstritten, aber Blut ist bekanntlich dicker als Wasser…
Patriks Ermittlungen erfahren eine zusätzliche Dringlichkeit, als die 17-jährige Jenny Möller vermisst wird. Dreh- und Angelpunkt bleibt die Frage, ob ein Täter für mindestens drei Frauenmorde verantwortlich ist, oder ob Johannes Hult damals der Täter war und nun kopiert wird. Erica schlägt sich derweilen mit der Endphase ihrer Schwangerschaft, der erzwungenen Untätigkeit und ungebetenen Gästen herum, während alle unter der Hitze stöhnen.
Auch der zweite Band, Predikanten (deutsch: Der Prediger von Fjällbacka), der Reihe mit dem sympathischen Paar Erica Falck, Schriftstellerin, und Patrik Hedström von der Kriminalpolizei, hat mir wieder gut gefallen, auch wenn mir die ein oder andere der zahlreichen Nebenhandlungen etwas zuviel wurde. Außerdem erschien es mir nicht ganz glaubwürdig, dass im Falle der verschwundenen 17-Jährigen nicht ein viel größeres Team für die Suche gebildet wurde. In punkto Spannung kann es Camilla Läckberg aber mit den großen skandinavischen Krimiautoren problemlos aufnehmen und wie schon im ersten Band, Isprinsessan (deutsch: Die Eisprinzessin schläft), hat mir wieder die detaillierte Ausarbeitung der Charaktere besonders gut gefallen.
Mit einem Niveau von ca. B1 lässt sich der Krimi problemlos in der Originalsprache lesen, ganz ohne Wörterbuch, etwas langsamer, aber mit dem doppelten Vergnügen!
Camilla Läckberg: Predikanten. Månpocket 2013
www.alskapocket.se

Tafiti und das fliegende Pinselohrschwein ist der zweite Band der Kinderbuchreihe um das pfiffige Erdmännchen Tafiti und seinen besten Freund, das Pinselohrschwein Pinsel. Die beiden Freunde haben schon so viel zusammen erlebt, dass sie auch das Gegrummel von Tafitis Opapa nicht stören kann, dem ein Erdmännchenfreund für seine Enkel lieber wäre. Doch als Pinsel Tafiti gleich zweimal aus den Fängen von Mr. Gogo, dem Adler, rettet, muss auch Opapa zugeben: Einen besseren Freund gibt es nicht für Tafiti, deshalb ernennt er ihn gleich zum Ehren-Erdmännchen.
Die Leseprobe zu diesem Roman hat mich angesprochen, ebenso wie das stimmungsvolle, aber nicht kitschige Cover im Gegenlicht. Die Grundidee des Buches – drei Freundinnen, die sich nach einem zufälligen gemeinsamen Urlaub in Portugal vor 25 Jahren mit 50 am alten Ort zu einem Revivaltrip wiedertreffen – fand ich interessant. Die Verschiedenheit der Charaktere versprach gute Unterhaltung und die drei Zeitebenen, der Urlaub 1989 und seine Vorgeschichte, die 25 Jahre, die inzwischen ins Land gegangen sind, während derer die Frauen so gut wie keinen Kontakt zueinander hatten, und die erneute Reise 2014, bieten jede Menge Stoff jenseits des Genres „seichter Frauenroman“.
Hätte der zerstreute Professor Theodorus Tempus nicht vergessen, den Sicherheitshebel an seiner unfertigen Zeitmaschine umzulegen, dann hätte es die neue Abenteuer-Reihe Zeitreise auf 4 Pfoten vermutlich nie gegeben. Doch nachdem ihm dieses Missgeschick passiert ist, kommen nacheinander ein Schimmel, ein weißer Löwe, eine riesige Schildkröte, ein Kätzchen, ein Esel, eine Schlange, ein Papagei, ein Rabe, ein wunderschöner Pfau und ein kleiner Dinosaurier aus der Maschine. Eine Fehlfunktion hat sie aus der Vergangenheit zum Professor, zu seiner mutigen, pfiffigen Enkelin Lia und zu Curry, Ich-Erzählerin und sicherlich die klügste Hündin der Welt, katapultiert. Keineswegs können sie die Tiere behalten, denn das würde den Verlauf der Weltgeschichte gehörig durcheinanderbringen und ein heilloses Chaos stiften. Deshalb beginnen die drei Abenteurer mit der Rückführung des Kätzchens, das laut Zeitreiseprotokoll der ägyptischen Königin Kleopatra gehört, lassen sich ins alte Ägypten zurücktransportieren und sind prompt mittendrin in einer Verschwörung, einem Giftanschlag auf Kleopatra und dem Geheimnis um den Kornschwund.
Nachdem ich es immer noch nicht geschafft habe, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald (1896 – 1940) zu lesen, wollte ich mir mit diesem Hörspiel zu seiner Kurzgeschichte Ein Diamant – so groß wie das Ritz von 1922 wenigstens einen Höreindruck des Autors verschaffen. Leider konnte ich weder der Handlung noch der Hörspielbearbeitung viel abgewinnen.
2016 hat mich Die vier Jahreszeiten des Sommers von Grégoire Delacourt als leichte, poetisch-melancholische Sommerlektüre begeistert, eine kunstvoll konzipierte Sammlung von Geschichten, die am Ende doch alle miteinander verwoben werden.
Dessa Dean ist elf Jahre alt und lebt mit ihrem Vater fernab der Zivilisation in einem Häuschen im Wald. Seit ihre Mutter vor ihren Augen an Unterzuckerung im Schneesturm erfroren ist, ist das Mädchen traumatisiert. Während ihr Vater seine Tage als Jäger draußen verbringt, traut sich Dessa Dean nur noch bis auf die Terrasse, dann werden ihre Ohrenschmerzen so stark, dass sie umkehren muss. Erst als ein verletzter, einsamer Hund sie zu besuchen beginnt, der Angst vor geschlossenen Räumen hat, setzt allmählich ein Heilungsprozess ein. Die Erfahrung, gebraucht zu werden, beginnt das Trauma in den Hintergrund zu drängen, und Dessa Dean wächst über sich hinaus, als es darauf ankommt…
„Enkel sind die Belohnung dafür, dass man die eigenen Kinder nicht erwürgt hat“, pflegt die Mutter von Anja Reinold zu sagen. Dumm nur, dass die allmählich aus dem gebärfähigen Alter herauswachsende Tochter frisch geschieden ist und so gar keine Enkel in Sicht sind! Anja, beliebte Deutsch- und Französischlehrerin an einem Gymnasium in Weinheim an der Bergstraße und Ich-Erzählerin, beginnt sich schweren Herzens allmählich von ihrem Lebenstraum „Häuschen mit Garten, glückliche Ehe, zwei Kinder“ zu verabschieden. Nach der Scheidung lebt sie in einer Wohnung, die eher einem Rattenloch gleicht, ist süchtig nach Sudokus und antriebslos. Erst als sie zufällig von einem ihrer Lieblingsschüler, dem smarten 15-jährigen Manuel, von einer schönen, freistehenden Wohnung in dessen Haus erfährt, geht es wieder aufwärts, zumal auch Manuels Vater, der getrenntlebende, alleinerziehende arbeitslose Chemiker Dr. Patrick Bernat, recht anziehend ist. Alles könnte gut werden, wenn nur nicht Anjas Freundin und Kollegin Birgit, die angeblich nie Kinder wollte, plötzlich schwanger wäre. Neid, Missgunst, Eifersucht und ein nagender Verdacht scheinen Anja fortan zu zerfressen, und sie beginnt, bei Birgits Mann Steffen Zweifel an der Vaterschaft zu säen – mit verheerenden Folgen…