„Courage all the time“ – Nie den Mut verlieren!

Während der Recherchen zu ihrer Dissertation über Prinz Bernhard der Niederlande stieß die Historikerin und Autorin Annejet van der Zijl 2009 auf den Namen der Amerikanerin Allene Tew, der „ein wenig mysteriösen amerikanischen Tante“ des Prinzgemahls der holländischen Königin Juliane. Spontan beschloss sie, über diese Frau, deren Leben wie ein „phantastischer, dramatischer, farbenprächtiger Film“ war, ein Buch zu schreiben. Am Ende sind es, wie sie selbst im Nachwort schreibt, drei Bücher in einem geworden: „Es ist eine wundersame Lebensgeschichte, die so voller Wendungen steckt, dass sie sich für mich fast wie ein Abenteuerroman anfühlt. Es kann auch als kleine Geschichte Amerikas gelesen werden. Und schließlich ist es meine sehr persönliche kleine Studie über die Frage: Wie geht man mit Verlusten um.“ Und genau diese rundum geglückte Kombination hat mich an dieser Biografie, die eben sehr viel mehr als ein nacherzähltes Leben ist, so begeistert.
Allene Tew wurde 1872 als Nachfahrin der zweiten Generation einer erfolgreichen Pionierfamilie am Chautauqua-See im Bundesstaat New York geboren, doch war ihr Vater der einzige in der Familie, der nicht mühelos in die großen Fußstapfen der ersten Generation trat. Ausgestattet mit auffallender Schönheit, einem beachtlichen Durchsetzungswillen und voller Interesse für die Welt und die Menschen, schaffte sie einen kometenhaften Aufstieg und hinterließ bei ihrem Tod 1955 ein Vermögen von 24 Mio. Dollar. Fünf Ehen führte sie, wovon sie die ersten beiden hauptsächlich ihrer Schönheit verdankte, die dritte, einzig wirklich glückliche, der Liebe, und für die vierte und fünfte war vor allem ihr inzwischen erworbenes Vermögen ausschlaggebend. Die Verluste, die sie erlitt und überlebte, hätten anderen den Lebensmut geraubt, nicht so jedoch Allene. Wie ein Stehaufmännchen erzwang sie stets einen positiven Fortgang, verlor nie die Freude am Leben und fand gemäß ihrem Motto: „Courage all the time – nie den Mut verlieren“ immer wieder eine Form des Glücks, sei es in einer neuen Ehe, in Reisen, in ihren zahlreichen Immobilien in den USA oder Frankreich oder in den „Ersatzkindern“, deren sie sich nach dem Tod der eigenen Kinder annahm, darunter der jungen Bernhard zur Lippe-Biesterfeld.
Doch wie bereits gesagt, ist Die amerikanische Prinzessin viel mehr als nur die Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau. Da sie ein Luxusnomadenleben führte, ist es auch mehr als nur eine amerikanische Geschichte. Durch ihre Aufenthalte in England und Frankreich, ihre Ehen mit einem deutschen Prinzen und einem russischen Grafen und ihre enge Verbindung zum niederländischen Königshaus als Patin der Ex-Königin Beatrix, ist es auch eine europäische Geschichte.
Annejet van der Zijls Biografie einer Frau, deren Leben man nicht abenteuerlicher hätte erfinden können, liest sich spannend, leicht und sehr unterhaltsam, und hat mich angesichts der unglaublichen Fakten immer wieder aufs Neue überrascht. Dabei vermeidet die Autorin jede Sensationshascherei und bleibt streng bei dem, was sie in den zahlreichen, im Quellenverzeichnis aufgeführten Büchern und der amerikanischen Presse über Allene Tew finden konnte. Zwei Bilderbogen, ein Personenregister, ein Stammbaum und eine Landkarte runden das absolut gelungene Buch aus dem Theiss Verlag ab, das ich mit großem Gewinn und Vergnügen gelesen habe.
Annejet van der Zijl: Die amerikanische Prinzessin. Theiss 2018
www.wbg-wissenverbindet.de
Kinderfragen sind berüchtigt und nicht selten blamieren wir Erwachsenen uns beim spontanen Antwortversuch. Auch bei den 22 Kinderfragen in diesem Sachbuch hätte ich teilweise keine allzu gute Figur abgegeben, und selbst wenn ich sie hätte beantworten können, dann bestimmt nicht so unterhaltsam und kindgerecht wie Petra Maria Schmitt und Christian Dreller. Die beiden Autoren kombinieren die Sachinformationen mit Rahmengeschichten, die die Fragen logisch entwickeln und in eine Alltagssituation aus der Erlebniswelt der Kinder einbetten.
Kinderfragen sind berüchtigt und nicht selten blamieren wir Erwachsenen uns beim spontanen Antwortversuch. Auch bei den 22 Kinderfragen in diesem Sachbuch hätte ich teilweise keine allzu gute Figur abgegeben, und selbst wenn ich sie hätte beantworten können, dann bestimmt nicht so unterhaltsam und kindgerecht wie Petra Maria Schmitt und Christian Dreller. Die beiden Autoren kombinieren die Sachinformationen mit Rahmengeschichten, die die Fragen logisch entwickeln und in eine Alltagssituation aus der Erlebniswelt der Kinder einbetten.

Die Detektivgeschichten von Antonia Michaelis stammen aus der Zeit, als die Erstlesereihe des Loewe Verlags noch vier Stufen umfasste. Die Lesepiraten, zu denen dieser Band gehört, waren die dritte Lesestufe und richtete sich an fortgeschrittene Leserinnen und Leser ab ca. sieben Jahren.
Lied der Weite, im Original 1999 erschienen unter dem Titel Plainsong, ist der dritte von sechs Romanen des US-Amerikaners Kent Haruf (1943 – 2014). Da ich 2017 seinen letzten, Unsere Seelen bei Nacht, gelesen und sehr geliebt habe, waren meine Erwartungen hoch – und wurden erfüllt. Noch mehr als die Handlung haben mich die Charaktere und die Atmosphäre bezaubert. Die unaufgeregte Erzählweise, das genaue Beobachten, das bedächtige Erzähltempo und die atmosphärische Schilderung des Lebens in der fiktiven Kleinstadt Holt, Colorado, in der alle Romane Harufs angesiedelt sind, machen auch dieses Buch für mich zu einem literarischen Kleinod.
Viel Stoff hat Bernhard Schlink in diesen Roman gepackt: einen Parforceritt durch die deutsche Geschichte vom Kaiserreich bis 1971, Reisen in ferne Länder, eine unvollendete Liebesgeschichte und die Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau.
„Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen“, ein Zitat des japanischen Malers Katsushika Hokusai (1760 – 1849), stellt Arno Geiger dem Buch über das Leben und die Demenzerkrankung seines Vaters voran. Die Umsetzung dieses Mottos ist dem österreichischen Autor gelungen, die Krankheit erhält durch das Schicksal des Vaters August Geiger ein Gesicht. Aber nicht nur das: Arno Geiger dokumentiert ein über 80 Jahre währendes Leben, würdigt, was er seit der Entfremdung vom Vater während der Pubertät nicht mehr wertschätzte, und beschreibt den Strukturwandel in der Vorarlberger Heimat von der bäuerlichen Dorfwelt zur Wohn- und Industriegemeinde.
Das hätte es unter den strengen Augen von Mr Carson, Butler auf Downton Abbey, nicht gegeben: ein sieben Jahre währendes Verhältnis zwischen einem jungen Dienstmädchen und dem Erben des Nachbarguts. Doch erstens sind wir bei Ein Festtag, dem Roman oder besser der Novelle von Graham Swift, in der Grafschaft Berkshire und nicht in Yorkshire, und zweitens sind nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die Regeln der englischen Klassengesellschaft tief erschüttert. Auf drei benachbarten Gütern sind die meisten Söhne im Krieg geblieben und das Personal in Upleigh bzw. Beechwood House ist auf je eine Köchin und ein Dienstmädchen zusammengeschrumpft. So kann das Dienstmädchen Jane Fairchild von Beechwood, wo Mr und Mrs Niven seit dem Tod ihrer Söhne alleine leben, sich jahrelang heimlich mit dem einzig verbliebenen Erben von Upleigh, Paul Sheringham, an verschwiegenen Orten treffen, zunächst für Geld, doch als es „ernst“ wird nur noch als Freundin und Geliebte.