Zu einseitiger Kinderkrimi
Wenn bekannte Autoren aus dem Erwachsenenbereich ein Kinderbuch schreiben, ist das ein spannendes Experiment, das grundsätzlich meine Neugier weckt. Im Falle von Ma.Lu.Lu.Ka., einem Kinderratekrimi von Volker Weidermann, konnte mich das Resultat allerdings leider überhaupt nicht überzeugen.
Bei einer Schulexkursion in das Tunnelsystem unter dem ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof findet Karim, Mitglied der Viererbande Ma(rlene).Lu.Lu(dwig).Ka(rim). ein altes Tonband. Darauf sind aufgeregtes Elefantengeschrei und ein panischer, russischsprechender Mann zu hören. Die Kinder beginnen mit ihren Nachforschungen im Berliner Zoo, verfolgen die Spur des ehemaligen russischen Elefantenpflegers Pavel auf einer rasanten Fahrrad-Verfolgungstour durch das Berliner Zentrum und stoßen schließlich auf die missglückte Elefantenbefreiungsaktion eines PETA-Aktivisten.
Die Vorstellung der vier Protagonisten zu Beginn des Buches fällt extrem kurz aus. Über Karim erfährt man beispielsweise nur, dass er gut Fußball spielt und in der Schule verbotenerweise immer mit Dosen kickt. Zusammen mit den Illustrationen im Comicstil, die meinen Geschmack leider überhaupt nicht treffen, reicht das nicht aus, um sich ein Bild zu machen, zumal ohne Altersangabe.
Bereits der Einstieg mit dem Tonband und die Faszination der Kinder dafür klangen für mich nicht besonders überzeugend. Dass die Ermittlung der Umstände der Aufzeichnung dann von einem Zufall in den nächsten stolpert, ist aber relativ typisch für einen Kinderkrimi und soll hier nicht kritisiert werden. Ganz und gar nicht akzeptieren kann ich die dagegen die vollkommen einseitige Darstellung der Haltung von Elefanten in Zoos, die nur die Sichtweise von PETA berücksichtigt. Gerne dürfen auch solch kritische Themen in Kinderbüchern angesprochen werden und in einem Kindersachbuch über Zoos oder Elefanten würde ich das sogar erwarten, aber bitte nicht so pauschal und undifferenziert!
Die Herstellung des Buches ist hochwertig, das sehr stabile Hardcover hat sogar ein Lesebändchen. Sprachlich und in der Schriftgröße ist der Text an die Zielgruppe gut angepasst, die Sätze sind kurz, das Vokabular einfach und die viele wörtliche Rede nicht schwer zu lesen. Die Textmenge ist allerdings groß und die Bilder unterstützen das Textverständnis kaum, sodass ich das Buch frühestens ab Ende der dritten Klasse empfehlen würde. Ein Satz wie „Die anderen so ˂aha˃, …“ hat allerdings für mich nichts in einem (Kinder-)Buch verloren.
Die Rätselfragen an den Kapitelenden tragen nicht zur Lösung des Falls bei, motivieren aber eventuell zum genaueren Lesen des nächsten Abschnitts. Als störend empfand ich die in den Text eingestreuten Bilderrätsel, die den Lesefluss unterbrechen und im Anhang besser aufgehoben wären. Hilfreicher wären textunterstützende Illustrationen, zum Beispiel für alle Nicht-Berliner ein Stadtplan zur detailliert beschriebenen Verfolgungsjagd.
Ein Wort noch zu den Illustrationen von Kat Menschik: Der Comicstil mag Geschmacksache sein, aber dass die mit ihren Fahrrädern durch Berlin brausenden Kinder keine Helme tragen, ist in meinen Augen fahrlässig.
Fazit: Wer seinen Kindern diesen Krimi in die Hand gegen will, sollte ihn vorher unbedingt selbst lesen und für Diskussionen bereitstehen. In die Klassenzimmerbibliothek einer Grundschule, für die das Buch vorgesehen war, werde ich es nicht stellen.
Volker Weidermann & Kat Menschik: Ma.Lu.Lu.Ka. Fischer KJB 2015
www.fischerverlage.de

Wer mehr über das Leben, aber auch die Kunst der expressionistischen Malerin Gabriele Münter (1877 – 1962) erfahren möchte, ist mit dem biografischen Roman Die Malerin von Mary Basson gut bedient. Die Autorin, die im Milwaukee Art Museum mit der größte Münter-Sammlung Nordamerikas arbeitet, spürt dem Leben der Künstlerin von 1902 bis 1957 streng chronologisch nach. Dazwischen sind Bildbeschreibungen eingestreut, zwar ohne die Werke abzudrucken, aber diese lassen sich leicht im Internet auf der Homepage des Milwaukee Art Museum oder des Lenbachhauses München finden. Ich habe sie zum besseren Verständnis ausgedruckt und in mein Buch gelegt.
Als der britische Kinderbuchautor Michael Bond am 27. Juni 2017 im Alter von 91 Jahren starb, wurde er in allen Nachrufen als Schöpfer von Paddington Bär gefeiert. In unserer Familie war dagegen immer eine andere Figur Bonds prägend, die er ab 1971 schuf: die Meerschweindame Olga da Polga. Wir waren daher sehr glücklich, als der Verlag Thienemann die Geschichten dieses abenteuerlustigen, fantasievollen, mutigen und liebenswerten Tieres im Jahr 2015 als wunderschön gestalteten, fadengehefteten Hardcover-Band wieder aufgelegt hat, versehen mit herausragenden Illustrationen von Catherine Rayner, die nicht nur das Aussehen, sondern auch die Seele und den Charakter der Tiere wiederzugeben versteht.
Der 23. August spielt eine bedeutsame Rolle im Leben der Familie Idrissi: Am 23.08.1968 hat der Korse Paul Idrissi seine Frau Palma kennengelernt, die auf dem Campingplatz von La Revellata ihr Zelt aufgeschlagen hatte und ihn schließlich seinem Clan und der Insel entrissen und mit nach Nordfrankreich genommen hat. Genau 21 Jahre später, am 23.08.1989, verunglückt die inzwischen vierköpfige Familie beim Urlaub auf Korsika mit ihrem roten Fuego und nur die 15-jährige Tochter Clotilde überlebt. 27 Jahre später kehrt sie zurück, nun selber verheiratet und mit einer 15-jährigen Tochter, um ihre Großeltern wieder zu sehen, um ihrer Familie Korsika und die Unglücksstelle zu zeigen, und um Licht ins Dunkel des Unfalls zu bringen, was ihr schließlich am 23.08.2016 gelingt – bei einem furiosen Finale… Doch bis dahin wird der Aufenthalt für sie immer surrealer, denn sie erhält mit einem „P.“ unterzeichnete Briefe, die eigentlich nur ihre Mutter geschrieben haben kann, die ungewöhnlichen Zufälle häufen sich und jemand scheint ein Spiel mit ihr zu spielen. Während ihr Mann, der nur an Effizienz und Rationalität glaubt, versucht, sie von weiteren Nachforschungen abzuhalten, taucht Clotilde immer weiter in die Geheimnisse der Vergangenheit ein und ahnt nicht, dass jemand die Aufdeckung der Wahrheit unter allen Umständen verhindern will. Hätte sie nur ihr Tagebuch aus jenem Sommer 1989 noch, dem sie damals alles über die Jugendclique auf dem Campingplatz, große Emotionen, die Konflikte mit ihrer Mutter, die Entdeckungen über ihren Vater und die Streitereien der Eltern anvertraut hat, doch das war nach dem Unfall spurlos verschwunden.
Bestechend an diesem Roman ist zunächst das Äußere. Der Hanser Verlag hat mit dem auffällig gestalteten Wendecover, schöner als das der Originalausgabe, dessen Motiv sich während der Lektüre erschließt, dem orange eingefärbten Schnitt, der das Buch beim ersten Lesen sanft und angenehm knistern lässt, und dem künstlerisch bedruckten Vorsetzblatt ein kleines Meisterwerk geschaffen, das man deshalb nicht als E-Book lesen sollte. Schade nur, dass die Zahl der Druckfehler verblüffend hoch ist, was vermutlich dem Zeitdruck geschuldet ist, denn die deutsche Ausgabe erschien nur einen Monat nach dem amerikanischen Original. Der Roman wird das erste Buch in einer limitierten Auflage mit Nummerierung in meinem Bücherregal sein, eine bibliophile Besonderheit.
Büchersterne ist die Reihe für Erstleser aus dem Oetinger Verlag, die für Lesespaß in drei Stufen sorgen soll. Der vorliegende Band Millie übernachtet in der Schule von Dagmar Chidolue gehört zur leichtesten Kategorie für die erste Klasse, ist in sehr großer Fibelschrift und im Flattersatz mit sehr kurzen Zeilen gedruckt, hat kurze Leseabschnitte, ist in sechs Kapitel unterteilt mit textunterstützenden und sehr klaren Illustrationen von Gitte Spee und bietet auf 12 Doppelseiten am Ende viele abwechslungsreiche Rätselangebote mit Lösungen.
John B. Keane (1928 – 2002) gehört zu den beliebtesten Dramatikern Irlands. Er war Bühnenschriftsteller, Dichter, Romanautor und verfasste humorvolle Kurzgeschichten, wobei ihn zu letzteren bestimmt Erlebnisse im Familien-Pub in der ländlich-irischen Grafschaft Kerry inspirierten, den er zusammen mit seiner Frau führte.